Liebe Leser und Leserinnen,

wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, gab es seit einiger Zeit keine neuen Kapitel.
Nun, ein neues Kapitel ist schon im Groben fertig, aber noch “privat” und ich habe viele Ideen für den Fortgang der Geschichte. Allerdings habe ich im Moment wenig Zeit, diese Ideen hier zu veröffebtlichen.
Nach Pfingsten wird sich das hoffentlich wieder ändern.

Ich hoffe ihr hattet bisher so viel Spaß wie ich.
Es geht bald weiter.

Als ich am Pier aus dem Wasser kletterte und die Fuchsgestalt wieder ablegte, bemerkte ich, dass dieser Tescaron mir gefolgt sein und mich beobachtet haben musste.
Er kam auf mich zu. “Dein Volk kann sich also in Tiger und Füchse verwandeln. Da wo ich herkomme leben nur Menschen und Elfen. Aber das scheint ja außerhalb der Ancient Dragon City auch eher selten.”
Ich nickte: “Vor meiner Geburt waren die drei Völker im Krieg. Menschen gegen Bestien gegen Elfen. Die Elfen wollten die Bestien versklaven und blickten schon immer auf die Menschen herab. Die Menschen beneideten die Elfen wegen ihrer Verwandtschaft mit den Göttern und verachtete die Bestien wegen ihrer Verwandtschaft mit den Tieren. Und mein Volk hatte nur den einen Wunsch in Frieden und Freiheit zu leben.”
Einen Augenblick lang schwieg Tescaron, dann sah er mich kurz prüfend an: “Ist das nicht eine sehr voreingenommene Sicht? Meine Stadt wurde von Elfen und Menschen erbaut und sie leben dort noch heute zusammen. Natürlich gibt es auch kleinere Auseinandersetzungen, aber trotzdem ist es friedlich. Menschen und Elfen haben sogar gemeinsame Kinder, was mir, bis ich hierher kam, nie ungewöhnlich erschien. Meine Mutter ist eine Elfenpriesterin und mein Vater ein Menschenkrieger. Er sagt immer, er bewundere sie ihrer Weisheit wegen und weil sie für ihn noch heute das vollkommenste Geschöpf in unserer Welt ist. Sie sagt, dass sein Mut und seine Stärke ihr schon immer imponiert hätten und er nicht zuletzt auch ein sehr bedachter Kämpfer sei, der sein Schwert mit Herz und Verstand zu führen wisse.”
“Ich habe schon von deiner Heimatstadt gehört. Es muss ein wundervoller Ort sein. Aber hier tragen die Völker noch immer die Narben des letzten Krieges. Der einzige Grund, warum sie nun Seite an Seite kämpfen ist, dass ein Sieg der Rancor Forces das Ende aller bedeuten würde. Ich weiß nicht, ob die Wunden der langen Zeit der Verachtung und des Hasses durch einen gemeinsamen Sieg geheilt werden können. Und auch ich habe meine weniger guten Erfahrungen mit den anderen Völkern.”
“Aber damals am Fluss, da hast du mir trotzdem geholfen.”, sagter er plötzlich mit einem breiten Grinsen.
Das Blut schoss mir die Wangen. “Was?”
“Ich habe der Ältesten in der Elfenhauptstadt an jenem Tag von dem Vorfall berichtet und sie hat mir viel über dein Volk erzählt. Da wusste ich, dass es kein normaler Fuchs gewesen ist, der mir geholfen hatte. Und an dem Teich, als du wieder einmal davongelaufen bist, war dein Blick ebenso scheu und dennoch hell, wie damals, so dass ich mich sofort wieder daran erinnerte. Ich hatte gehofft dich eines Tages wieder zu treffen. Ich habe mich damals nicht für deine Hilfe bedankt.”
Ich schüttelte ein wenig verlegen den Kopf: “Das war nichts. Ich war zufällig dort. Mehr nicht. Das ist nichts, wofür man sich bedanken müsste. Ich hoffe, jeder andere handelt ebenso, wenn ich einmal in einer solchen Situation bin.”

Irgendwie machte es mich ganz verzweifelt die Frau so zu sehen.
Schon in meiner Kindheit hatte ich immer besonders zugehört, wenn der Elder uns Geschichten erzählte, die von tragischer Liebe handelten.
Kurzentschlossen nahm ich meine Fuchsgestalt an und sprang ins Wasser, um zu sehen, ob dort auf dem Grund tatsächlich etwas oder jemand zu finden war.
Das Hafenbecken war viel tiefer, als ich erwartet hatte. Glücklicherweise war ich eine geübte Schwimmerin und Taucherin.
Das Wasser wurde immer trüber und kälter. Bald gab es nicht einmal mehr Fische.
Ich tauchte immer tiefer hinab, bis ich schließlich kaum noch etwas sehen konnte, weil das Tageslicht nicht bis zum Grund durchdringen konnte.
Schauer liefen mir über den Rücken. Ich spürte, dass hier etwas war. Und ich konnte nicht sagen, ob gut oder böse.
Ich bemerkte eine Art Lichtschein, ein Leuchten und schwamm bis zu der Stelle, an der ich die Quelle dieses ungewöhnlichen Lichtes vermutete.
Und tatsächlich. Dort war eine Erscheinung. Nicht mehr das was, was man als Leben bezeichnet, das konnte ich sofort fühlen.
Ich bewegte mich langsam auf das Wesen zu, immer bereit anzugreifen, wenn es nötig wäre.
Doch zu meinem Erstaunen sprach die Gestalt mich an. Die Stimme verriet keine Feindseeligkeit: “Wer hat sich in diese Tiefe zu mir verirrt? Du lebst noch, du gehörst nicht hier her.”
“Du aber auch nicht.”, erwiederte ich.
“Nun, das stimmt, aber ich kann nicht gehen. Meine Frau sitzt oben am Pier und singt ein trauriges Lied. Ich liebte sie sehr, als ich noch lebte. Wir waren sehr glücklich. Ich war ein Fischer und fing an jedem Tag gerade genug Fische, um uns ernähren zu können. Das reichte mir nicht, ich wollte meiner geliebten Frau etwas bieten. Schöne Kleider, teuren Schmuck… und ich sah nicht, dass all das nicht von Bedeutung war, weil ich allein ihr genügte. In meiner Gier immer mehr Fische zu fangen und verkaufen zu können, zog ich den Zorn des Flussgottes auf mich und er riss mich in die Tiefe. Ich konnte sie nicht verlassen und blieb hier auf dem Grund. Aber das Wasser in diesem Fluss ist so kalt, so unendlich kalt. Jeden Tag vergesse ich eine Erinnerung aus meinem Leben, wegen dieser Kälte.”, erzählte er mir.
Ich überlegte kurz: “Und wenn es eine Möglichkeit gäbe, dass dir nicht mehr so kalt ist?”
“Die gibt es. Aber mir ist es unmöglich die große Schildkröte, die im Fluss vor den Südtoren der Stadt lebt, zu besiegen und aus ihrem Blut einen wärmenden Trank zu gewinnen. Deswegen ist es mein Schicksal jeden Tag und jede Nacht die Kälte zu erleiden und zu vergessen.”, seufzte der Geist und war noch trauriger anzusehen.
“Ich werde mich darum kümmern. Halt nur so lange hier aus.”, versprach ich und schwamm zurück zum Pier.

“Mein Name ist übrigens Tescaron.”, er streckte mir seine Hand entgegen, “Und du bist…?”
“… beschäftigt. Ich habe heute schon zu viel Zeit verträumt. Es ist bereits Nachmittag und es gibt noch viel zu tun für mich. Also man sieht sich…”. Ich lächelte ganz unverbindlich und lief auf eines der Tore zu welches den kleinen Stadtteil mit dem nächsten verband.

Plötzlich fand ich mich im Hafenviertel wieder.
Große Schiffe lagen vor Anker. Hier herrschte wieder reges Treiben. Seeleute luden Proviant für die bevorstehenden Fahrten ein, Händler luden kostbare Waren aus, die auf langen Wegen von unbekannten, fernen Orten hergebracht worden waren. Wind spielte in den halboffenen Segeln, Möwen schrien laut, an einem kleinen Stand verkaufte ein junges Mädchen Muscheln, Fische, gepressten Tang und kleine Säcke mit Meeressalz.

Eine junge Frau saß am Pier. Sie summte abwesend eine traurige Melodie.
So, wie sie da saß, musste sie den ganzen Tag, jeden Tag nichts anderes tun, als dort zu sitzen, auf das Wasser zu starren und ihre Melodie zu summen.
Ich ging zu ihr, magisch angezogen von den leisen Klängen.
“Hallo”, sagte ich, aber die Frau zeigte keine Reaktion.
Ein Seemann, der meinen Versuch sie anzusprechen bemerkt haben musste, schüttelte nur den Kopf und meinte: “Die ist schon lange so Kindchen, die wird dir nicht antworten.”
“Aber warum?”
“Mein Mann”, erklang plötzlich ihre Stimme, “hat den Zorn des Flussgottes auf sich gezogen, dass dieser Besitz von seiner Seele ergriff und ihn dazu brachte sich in das Wasser zu stürzen, wo er jämmerlich ertrank.”
Sie blickte zu mir auf, aber sie sah mich nicht an. In ihren Augen lag eine seltsam sanfte Trauer.
“Aber er ist nicht fortgegangen. Er ist noch hier, ich spüre es. Sein Geist muss auf dem Grund dieses Wasser geblieben sein, weil er mich nicht verlassen kann.”
Ich glaubte, sie würde jeden Augenblick zu weinen beginnen. Doch sie senkte nur den Kopf und starrte auf das Wasser, um kurz darauf wieder ihre traurige Melodie anzustimmen.
“Sie ist total verrückt.”, meinte der Seemann, “Es gibt doch keine Geister!”

Da stand ich nun und starrte diesem seltsamen Kerl hinterher, der nicht nur verrückt zu sein schien, sondern mich um zehn Silberlinge gebracht hatte.
Reich war ich nicht gerade.
Ich seufzte und setze mich an den Rand des Teiches.
“So wirst du nie eine große Hilfe für die Vereinten Armeen sein, du dummes Ding!”, sagte ich halb im Scherz zu meinem Spiegelbild im Wasser.
Ich war müde, hungrig und ein bisschen verzweifelt, weil ich mir meinen ersten Tag in dieser Stadt ganz anders ausgemalt hatte. Mit einer Art Empfangskomitee, offizieller Begrüßung oder etwas Ähnlichem.
Aber offensichtlich kam es auf einen “Helden” mehr oder weniger nicht an. Und bis ich mich nicht beim Stadtältesten gemeldet und seine Aufträge in Empfang genommen hatte, spielte es auch gar keine Rolle, ob ich hier war oder nicht.

Ein bisschen genoss ich die Stille dieses Teils der Stadt.
Es erinnerte mich an meine Heimatstadt.
Natürlich gab es dort weder einen Teich, noch Seerosen oder Bambus. Aber dieser Ort strahlte Ruhe aus. Ich fühlte mich sicher hier.

Ich weiß nicht, wie lange ich an diesem Teich gesessen und die Seerosen betrachtet hatte.
Plötzlich vernahm ich Schritte hinter mir.
Ich fühlte mich irgendwie ertappt, ich war unaufmerksam gewesen.
Schnell sprang ich auf und drehte mich um.
Da stand der Elf vor mir, dem ich damals am Ufer des Unworried Rivers geholfen hatte.
Er konnte mich unmöglich erkannt haben, denn damals hatte ich meine Fuchsgestalt angenommen.

Offensichtlich hatte ich ihn so verschreckt angesehen, dass er verlegen lächelte und sich mit einer Hand durchs Haar fuhr.
“Ich wollte dich nicht erschrecken,” sagte er.
“Hast du nicht,” erwiederte ich wenig glaubhaft und spürte, wie mir das Blut in die Wangen schoss.
Er schien es zu bemerken und lächelte wieder, diesmal weniger verlegen.
In Fuchsform wäre mir das nie passiert, dachte ich und drehte mich schnell weg.
“Bist du auch neu hier?”, fragte er.
Ich nickte und biss mir im nächsten Augenblick verärgert auf die Unterlippe. Was ging es ihn an. Sicherlich war auch er nur einer dieser hochmütigen Elfen, die nur sich selbst wichtig nahmen und auf alle anderen herabblickten.
Entschlossen machte ich einen Schritt in die Richtung des Weges und sagte: “Ich muss dann auch weiter. Man sieht sich ja sicherlich.”
“Ach, musst du auch zum Stadtältesten? Das trifft sich gut, ich nämlich auch,” meinte er leichthin und folgte mir.
Wieder bemerkte ich, dass meine Wangen zu glühen begannen. Ich musste aussehen wie ein leuchtend roter Lampignon.

Unsicher lief ich durch die Straßen der Stadt, noch immer mit der leisen Hoffnung vielleicht doch noch ein bekanntes Gesicht zu entdecken.
Ich war schließlich nicht die einzige, die vom Elder auserwählt war in die große Stadt zu reisen und sich dort den Helden anzuschließen.
Vielleicht traf ich hier jemanden wieder, der uns schon vor einigen Jahren verlassen hatte, um den Armeen der Vereinten Völker zu folgen und sie im Kampf gegen den Feind zu unterstützen.

Die Stadt war voll und laut. Man trat sich hier fast gegenseitig auf die Füße.
Ich hielt Ausschau und konnte doch kein vertrautes Gesicht erspähen.
Schließlich gelangte ich in einen Teil der Stadt, der fast wie ausgestorben wirkte. Kaum eine Seele weit und breit.
Im Zentrum des Viertels war ein Teich mit Seerosen in dessen Mitte auf einer kleinen Inselt eine Pagode stand. Meterhohe Bambushalme säumten den Teich rechts und links.
Es war ungewöhnlich ruhig.
Ein seltsamer Typ stand vor dem Teich. Als er mich erblickte, kam er direkt auf mich zu, erzählte mir, er sei der Hirschherzog und wenn ich nur zehn Silbermünzen für ihn hätte, könne er mir eine wichtige Information liefern.
Durch sein Auftreten verwirrt und in der Hoffnung er würde mir sagen, wo ich den Stadtältesten finden konnte, gab ich ihm das Geld. Er nahm es und steckte es in einen kleinen Lederbeutel, der schon mit einigen Münzen gefüllt war.
Noch bevor ich ihn fragen konnte, begann er schließlich: “Es heißt, dass es in unserer Welt einen Vogel gibt, der keine Beine hat. Er wird in der Luft geboren und lebt in der Luft. Weil er keine Beine hat, kann er nicht landen. Er kann nur ein einziges Mal zur Erde kommen und das ist der Augenblick seines Todes. Seltsame Dinge gibt es in unserer Welt, aber sie sind wahr, so wie ich hier stehe.”
Verwirrt sah ich ihn an. Er kicherte und ging dann beschwingten Schrittes an mir vorbei.

Der Kampf war kurz.
Die Feinde waren wirklich schlecht vorbereitet und hatten uns nur wenig entgegenzusetzen.
Einige unserer Leute wurden verwundet.
Offensichtlich nutzen Hystricidae-Mutanten das Gift der Graslandtaranteln, um ihre Stacheln damit zu beträufeln.
Das gab schmerzhafte Wunden. Einige der Soldaten reagierten sogar allergisch auf das Spinnengift.
Doch zum Glück gab es in der kleinen Siedlung einen sehr fähigen Pharmazeuten, der schnell ein Antiserum hergestellt hatte.

In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages brach ich auf, um meine Reise in die legendäre Stadt zu beenden.

Gegen Mittag erreichte ich denn die westliche Pforte.
Ich konnte mir nur schwer vorstellen, von welchem Ausmaß die Stadt hinter den hohen Steinmauern sein musste.
Neue Aufgaben, Ruhm, Prunk, Glanz und neue Freunde würden mich hier erwarten.
Die Wachen ließen mich passieren nachdem ich ihnen das Schreiben meines Elders gezeigt hatte.
So betrat ich also zum ersten Mal jene Stadt, die der Mittelpunkt unserer Welt war, die von allen drei Völkern gemeinsam errichtet worden war. Die Stadt der Helden, von der ich seit meiner Kindheit immer geträumt hatte.
Und sie war größer und prächtiger, als ich es zu ahnen gewagt hatte.
Stolze Menschenkrieger in Rüstungen, die von höchstem handwerklichen Können zeugten.
Erhabene Magier und Priester in kostbaren, verzauberten Roben mit geheimnisvoll leuchtenden magischen Waffen.
Werfüchse mit imposanten Tieren.
Die Händler boten ihre Waren feil. Einer Schneiderin wurden Baren wertvoller Stoffe geliefert. Ein Schmied gab einem prächtig verzierten Schwert den letzen Schliff und überreichte es einem Bestienkrieger.
Auf einem kleinen Platz maßen sich flinke Bogenschützen.
Die Häuser waren größer und prunkvoller als in meiner Heimatstadt und zeugten von höchster Baukunst und Reichtum.
Wohin ich auch blickte sah ich die Pracht und den Glanz dieser großen Stadt.

Ich lief durch die Straßen und suchte nach dem Stadtältesten.
Schnell hatte ich lernen müssen, dass die meisten, die in dieser Stadt unterwegs waren, keine Zeit hatten einem Neuankömmling die Sehenswürdigkeiten zu zeigen.
Es waren raue Zeiten und so war der Umgangston.
Jeder hatte zu arbeiten. Ich musste mich selbst zurechtfinden.
Und das fiel mir schwer.
Meine Heimatstadt war mir vertraut. Die meisten, die dort aufgewachsen waren, hatten eine ganz ähnliche Geschichte wie ich. Wir waren wie Brüder und Schwestern.
Aber hier war alles fremd, groß, laut und hektisch.
So sehr mich diese Stadt im ersten Moment verzaubert hatte, so sehr verunsicherte sie mich nun.
Ich fühlte einen leichten Anflug von Heimweh.

Nach meiner Prüfung durch den Meister der Erleuchtung kehrte ich zum Elder zurück, um dort einen weiteren, wichtigen Auftrag entgegen zu nehmen.
Zum ersten Mal führte mich mein Weg in jene legendäre Stadt, von der ich seit meiner Kindheit so viele unglaubliche Geschichten gehört habe.
Die Ancient Dragon City war die Stadt der Helden.
Wenn man Ruhm und Ehre erlangen wollte, musste man dort hin und sich dem prüfenden Blick des Stadtältesten unterziehen.

Es war eine lange Reise.
Ich erreichte nach zwei Tagen eine kleine Stadt - Vicinage Village. Sie lag genau an der Stelle, wo der Red Sparrow River in den Lake of Sky mündet.
Auf der anderen Seite des Flusses konnte ich schon das Gebiet westlich der legendären Stadt sehen.
Ich sprach mit den Soldaten, die in der Stadt Wache hielten und erfuhr, dass die Rancor Forces ihre Kreise immer enger um die Ancient Dragon City zu ziehen versuchten.
Unweit der Siedlung hatten sich einige Verbündete unseres Feindes versammelt.

Obwohl die Cougaron Vangaurd vor einiger Zeit bei jenem nächtlichen Angriff vernichtend geschlagen worden waren, hatten sich die letzten Überlebenden dieser Kreaturen nun mit den Hystricidae-Mutanten zusammengeschlossen.
Ihr ziel war es, das Vicinage Village in ihre Gewalt zu bringen und so ein Sammellager für die Rancor Forces zu gewinnen, das näher an der legendären Stadt lag denn je zuvor in der Geschichte dieses unerbittlichen Krieges.
Man bat mich das Lager ausfindig zu machen.

Im Schutze der Nacht brach ich auf.
Ich brauchte nicht lange zu suchen. Die Kreaturen waren zwar stark und gefährlich, aber keine großen Strategen.
Sie glaubten sich in der Dunkelheit sicher und bewachten ihr Lager schlecht.
Wahrscheinlich war es ihnen nicht eingefallen, dass man in der naheliegenden Stadt etwas von der drohenden Gefahr ahnen könnte und zum Gegenschlag rüstete.
Bald hatte ich das Lager gefunden.
Es war verhältnismäßig schlecht gesichert.
Die Hystricidae-Mutanten waren schon immer dafür bekannt gewesen, sehr faul und launisch zu sein.
Offensichtlich verstanden sie sich auch nicht sonderlich gut mit den Überlebenden der Vangaurd, die in größerer Zahl tatsächlich eine Bedrohung gewesen wären, weil sie sich sehr wohl auf die Kunst der Kriegsführung verstanden.

Ich kehrte zurück und berichtete dem Befehlshaber von meinen Beobachtungen, um mit ihm zusammen einen Plan zu entwerfen.
Schon in der nächsten Nacht sollte das feindliche Lager angegriffen werden.
Um Aufregung in der Stadt zu vermeiden, zogen wir nur die fähigsten Krieger ins Vertrauen.
Zu viel Bewegung hätte den Freind misstrauisch werden lassen.

Ich rannte den ganzen Weg bis in die nächste Stadt.
Meine Schulter schmerzte noch immer und mein Herz raste.
Völlig außer Atem erreichte ich den Teleporter und wies ihn an mich in die Haupstadt zu bringen.

Der Meister der Erleuchtung erwartete mich bereits: “Ich wusste, dass du diese Prüfung bestehen würdest.”
Ich überreichte ihm die Pflanze und den Flakon mit der kleinen schimmernden Perle.
Er öffnete das Fläschchen, zupfte eine Blütenknospe von dem Gewächs und tat sie zu der Perle.
Für einen kurzen Moment wurde die Nacht hell erleuchtet und mir stockte der Atem. Über das Himmelszelt brandeten Wellen in den schillerndsten Farben.
Der Meister beträufelte den Daumen seiner rechten Hand mit der Flüssigkeit aus dem Gefäß und strich mir damit sanf über die Stirn. Dann schloss er die Flasche sorgfältig und der Zauber war verflogen.
“Nun hast du die zweite Stufe zur Erleuchtung, die Verschmelzung mit dem Universum, erreicht. Ich danke dir für deine Hilfe. Diese zwei Wesen sind gerettet und können fortan in Frieden leben und ihre spirituelle Reise fortsetzen.”

Meine Schulter brannte fürchterlich. Ich hatte schon fast vergessen, wie schmerzhaft das Gift der Graslandtaranteln sein konnte.
Glücklicherweise war es dennoch unbedenklich. Nach einer Weile würde seine Wirkung nachlassen und nur ein undschöner Ausschlag zurückbleiben, von dem in wenigen Tagen nicht mehr zu sein sein würde.

Ich betrachtete das Rocco-Gras.
Es sah recht unscheinbar aus.
Einen Moment lang zweifelte ich, ob es tatsächlich war, wofür ich es hielt. Aber Undine war sich sehr sicher gewesen. Zwar sprach die Pflanze nicht zu ihr, aber einige Wasserläufer hatten den Tumult wohl mitbekommen und meinem Wassergeist davon berichtet.

Nachdem ich mich eine Weile umgehört hatte, fand ich heraus, wo in etwa sich das Lager der Cougaron Vangaurds, die im Verdacht standen das andere Wesen gefangen zu halten, befand.
Allerdings war es ausgeschlossen, dass ich ungesehen hinein- und wieder hinausspazieren konnte.
Die Vangaurd bewachten ihre Geisel gut.
Ich legte mich auf die Lauer.

Schließlich kam mir der Zufall zu Hilfe.
Da auch die Cougaron Vangaurd Verbündete der Rancor Forces waren, gab es genug Helden, die sich die Auslöschung dieser Kreaturen zur Hauptaufgabe gemacht hatten.
Eben in dieser Nacht, da ich auf meine Gelegenheit für einen Befreiungsschlag lauerte, hatte sich eine Gruppe von Kriegern und Werfüchsen in der Nähe der Wolfshöhle zusammengefunden und einen Angriff gestartet.
Die Vangaurd waren völlig überrascht, wähnten sie sich doch durch ihre mächtigen Verbündeten in Sicherheit.
Im Lager herrschte Aufregung.
Die meisten Wachen wurden abgezogen um den Angreifern die Stirn zu bieten.
Jene wenigen, die ihren Posten halten mussten, waren für mich mit Undines Hilfe kein großes Hindernis mehr.

Ich hatte mir nur schwer vorstellen können, die genau das Wesen aussehen konnte und deswegen hatte ich keine Ahnung, was mich erwartete.
Nachdem die Wachen überwältigt waren, öffnete ich den Verschlag in dem ich die Geisel vermutete.
Darin stand ein gläsernes Gefäß, einem Alabastron ähnlich. In diesem Flakon befand sich, in einer öligen Flüssigkeit, eine kleine schimmernde Perle.
Für einen Augenblick war ich fasziniert von ihrer Schönheit.
Aber dann entsann ich mich meiner Aufgabe, verwahrte das Fläschchen behutsam in meinem Beutel und verließ so schnell wie möglich das Lager.